Über Zen tá B. und das Projekt Impro-Nuevo

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Wie ist es zu Zen tá B. gekommen?

Viele die sich mit der Angewandten Improvisation beschäftigen, ob Musiker oder Theaterleute, haben sich mit östlichen Lehren, Meditation, Zen und dem Buddhismus beschäftigt. Auch wir haben uns im Rahmen des Projektes überlegt, was bedeutet Zen für uns. Was bedeutet Zen für die Art und Weise, wie wir mit Improvisation auf der Bühne umgehen und wie Geschichten erzählen möchten. So kam die Idee zustande, dass wir für uns und dem Improtheater wieder einen experimentellen Raum öffnen möchten. Wir begannen 2010 mit den regelmäßigen Proben und waren selbst überrascht, wie intensiv und spannend sich die Improproben für uns gestaltet haben. Und so blieben wir dran, bis wir 2011 – für eine Saison lang – auch Auftritte in der Ufa-Fabrik in Berlin gemacht haben.

Wie hat sich für euch der Zen-Gedanke im Improspiel ausgedrückt?

Wir haben uns zum einen völlig frei gemacht von den bekannten Impro-Spielen und von Impro-Formaten. Zum anderen haben wir uns den Raum gegeben alle Impro-Techniken und Impro-Leitsätze völlig frei einzusetzen. Maßgeblich war für uns immer aus dem Moment heraus den nächsten Schritt zu machen. Wir haben ausschließlich freie Geschichten und Langformen gespielt, die zwischen 45 und 60 Minuten lang waren.

Im Vergleich zu üblichen Impro-Formaten, die wesentlich kürzer und stärker strukturiert sind, haben wir, wie beim Jazz, eher eine Jamsession miteinander kultiviert. Wir sind wie Musiker auf die Bühne gegangen, mit unserem Instrument – unserem Körper. Inspiriert hat uns das was jetzt grade atmosphärisch in der Luft war. Wir haben mit den Vorgaben gearbeitet, die wir aus unserem Alltag mitgebracht haben. Aus diesen Moment heraus sind dann die Geschichten oder auch die Collagen entstanden.

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Es war für uns auch eine Art Zeremonie. Wir haben uns getroffen, uns in einen geschützten Rahmen begeben und  konsequent mit dem experimentiert und gespielt, was war. Wenn wir einmal angefangen haben, dann haben wir erst aufgehört zu spielen, wenn die Geschichte fertig war. Das wahren dann oft sehr magische Momente, weil wir nie wussten, wie und wann eine Geschichte beginnt, wann und wie sie endet oder wie wir sie gestalten werden. Das kam manchmal tatsächlich dem Gefühl nahe, mit der Gruppe einem gemeinsamen, meditativen Prozess zu folgen. Ohne Unterbrechungen, ohne technische Diskussionen auf der Metaebene über ein gut oder falsch, ohne diese übliche Probenatmosphäre. Jede Probe war für uns so intensiv wie ein Auftritt vor Publikum. Da hatten wir ein starkes Kommitment – ohne dass wir zuvor darüber gesprochen hätten. Es hat sich einfach so ergeben.

Impro zu spielen, und dabei möglichst frei von Bewertung zu sein, das war ebenfalls eine einmalige Erfahrung. Im Sinne von Keith Johnstone haben wir insofern ein gutes Impro-Theater gemacht, weil wir uns beim Spiel miteinander wohl gefühlt haben. Es gab zum Beispiel keine dieser Dikussionen darüber, ob das eine jetzt eine gute oder schlechte Geschichte war. Die ist einfach nicht aufgekommen. Meistens haben wir nach dem Spiel einfach nur mit einem „Wow-was-war-dass-denn-eben-Gefühl“ dagesessen. Auch haben wir nach den Proben oder Auftritten die Geschichten, die wir erzählt haben, noch lange und sehr lebendig in Erinnerung gehalten. Diese Intensität des Geschichtenerzählens kannten wir aus der vorherigen Impro-Arbeit nicht.

Wie kam es zum Projekt-Namen „Impro Nuevo“?

Da haben wir uns beim Tango-Argentino angelehnt. Auch beim Tango, der frei improvisiert wird, gab es mit dem „Tango Nuevo“ eine lange Suchbewegung, die sich den Tango musikalisch als auch tänzerisch neu erschlossen hat. Man hat beim Tango einen musikalischen Rahmen, in dem sich das Paar für ein paar Tänze auf einer Melonga zusammenfindet und das Paar die Schrittkombinationen für sich findet, die in diesem Moment für beide möglich sind und anstehen.Es gibt eine Grundstruktur, es gibt sehr viel Technik und einen Annäherungsprozess, der mit der Idee des Führens und Folgens sehr frei experimentiert. Das Paar erzählt beim Tango Argentino für ein paar Tänze lang seine eigene Geschichte. Und jeder Tangotänzer kennt – nach einem besonders schönen Tanzerlebnis – dieses Gefühl, dass man nicht weiß, ob es beim nächsten Mal wieder so sein wird. Die Kunst besteht darin, sich immer wieder neu zu finden und anzunähern und mit dem zu spielen, was beide in die Atmosphäre hineintragen.

Wir haben uns daher auch ganz besonders darüber gefreut, dass wir mit Ulrich und Katarina von Kreatango einen Impro-Abend gemeinsam gestalten durften. Das war ein sehr besonderes Erlebnis, die beiden Welten des Tango-Argentino und des Improvisationstheaters zusammen zu bringen.

Spielt Zen tá B. zur Zeit?

Die Formation, mit der wir das Projekt Impro Nuevo gestartet haben, war von anbeginn offen. Wir wollten sehen, was sich nach einer Spielsaison ergibt und hatten keine fixen Vorstellungen davon, wohin uns die Zusammenarbeit führen wird. ZEN eben. Martin war im Laufe der Zeit fasziniert von der Idee, eine Impro-Solo-Show zu machen (eine Idee, die er dann mit viel Leidenschaft und Erfolg umgesetzt hat). Ella hat einfach viel mit Ihrer Impro-Akademie, dem Impro-Bücherschreiben und den Impro-Trainerweiterbildungen zu tun. Schließlich gab es, zwischen 2012 und 2013 noch eine internationale Applied Improvisation Network (AIN)-Konferenz zu organisieren. Stefan wollte schlicht mehr Freizeit genießen und Yasha mehr Theater spielen. Alles hat seine Zeit. Und wie beim Tango, kann man keinen guten Tanz erzwingen, nur weil es doch einmal soooo schön war. Das Leben geht weiter, die Interessen ändern sich, neue Geschichen bahnen sich an. Impro live eben …

Zen tá B. als freies Impro-Format besteht jedenfalls weiterhin. Es gibt weiterhin künstlerische Projekte (wie zum Beispiel Impro-Video-Filme und Performances, die wir aus rechtlichen Gründen hier leider nicht zeigen dürfen). Und es wird 2015 auch wieder bei Zen tá geprobt und Impro-Theater geben, in neuer Formation und mit neuer Inspiration.

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